Jugendliche des Vereins und Schülerinnen und Schüler Stader Schulen, als Arbeitsgemeinschaft (AG), leisten die Arbeiten, die zur Instandhaltung der Schiffe notwendig sind. Dafür treffen wir uns im Sommer freitags um 15:30 Uhr i. d. R. an den Schiffen. An diesem Tag werden die Vorbereitungen für die am Wochenende stattfindenden Gästefahrten sowie notwendige Reparatur und Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Im Winter findet die AG am Samstag ab 10:00 Uhr statt. An diesem Vormittag werden die zeitaufwendigeren Arbeiten wie z. B. Segelnähen durchgeführt.

2013-kartenarbeit

Ein typischer AG-Tag sieht so aus:
Treffen auf den Schiffen oder im Vereinsraum am Holzhafen
Verteilung der anstehenden Aufgaben und der Backschaft (einkaufen, zubereiten von Tee, Kaffee, Kuchen oder Brötchen, aufräumen und abwaschen des benutzten Geschirrs)
Zeit zum erledigen der eingeteilten Arbeiten
gemeinsames Tee- und Kaffeetrinken

Neben den Raparatur- und Instandhaltungsarbeiten lernen die Jugendlichen die unterschiedlichlichsten Arbeiten kennen. Dieses fängt mit den Knoten an Bord an, geht über Wetter-, Kartenkunde und Navigation weiter, so dass die AG-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer auch als Stammcrew mitsegeln können.

Wilhelmine Takelage

 

Auszug aus unserer Broschüre "100 Jahre Wilhelmine von Stade":

Seit nunmehr dreißig Jahren arbeiten Jugendliche aus Stade und Umgebung am und für das Schiff. In den Anfangsjahren galt es, die ehemalige "Passat" zu entrümpeln und Rost zu klopfen. Schweißbrenner und Flex waren die Maschinen der ersten Tage. Rosthämmer, Roststecher, Drahtbürsten, Handfeger und Pinsel für Mennige die Werkzeuge der Jungendlichen. Entrosten, fegen, menningen - und die Arbeit nahm kein Ende!

Doch unverdrossen kamen die Mädchen und Jungen immer wieder, und es bildete sich eine verschworene Gemeinschaft von ca. 20 Jugendlichen, die unbeirrt auf das ferne Ziel hinarbeiteten. Völlig verdreckte und verschmierte Gören, die abends nach Hause kamen, ließen bei vielen Eltern Bedenken aufkommen, was das denn wohl mit der Seefahrt zu tun hat. Aber für die Jugendlichen war es "ihr" Schiff, das es galt fertig zu machen für Törns auf der Elbe, zur Teilnahme an Regatten oder für den Sommertörn. Dabei waren alle Arbeiten gleichwertig. Egal, ob es Rost klopfen, reinigen, streichen, ausfegen oder Backschaft war.

Unterstützt und angeleitet wurden sie von Lehrerinnen und Lehrern, die alle Fachleuten auf Gebieten sind, die weichtig für den Ewer waren. Aus der alten Frachluke wurde so der Mannschaftsraum. 2 t gegossene Betonquader und 7 t Rundeisenstücke dienen noch heute als Ballast. In den Werkräumen der Stader Schulen wurden die erforderlichen Holzarbeiten angefertigt. Auch Privatleute und einige Firmen unterstützten die Jugendlichen in ihren Bemühen, das Schiff unter ihrem alten Namen "Wilhelmine" wieder in Fahrt zu bringen. Im Mai 1985 konnte die erste Fahrt der Jugendlichen unter Segeln stattfinden. Bei weiteren Fahrten in den ersten Jahren lernten Jugendcrew und Kapitän das "neue" Schiff keinen und damit umzugehen.

Schüler und Schülerinnen kamen und gingen - und gaben ihr erlentes Wissen an die Neuen weiter. Seit einme Jahr nehmen sie ab einem Alter von 11 Jahren an der AG teil.

An den AG-Tagen werden die Kinder und Jugendlichen ihrem Alter entsprechend an die handwerklichen Aufgaben herangeführt, die erforderlich sind, um das Schiff in Schuss zu halten.

Für die Segelausbildung werden immer wieder Knoten geübt, damit bei Anlagemanövern alles sitzt. Das Kennenlernen der Schiffsbzeichnungen gehört ebenso zur Ausbildung wie das Segelsetzen und Belegen der Tampen. Im Winter lernen die Jugendlichen Wetterkunde und Naviagation.

Auf abgelaufenen Seekarten werden Kurse bestimmt. Dies alles findet dann Anwendung beim großen Sommertörn, wenn die Fahrt in die Ostsee nach Dänemark oder manchmal sogar nach Schweden oder in die Nordsee Richtung Norden oder bis zur Ems führt.

Aber auch ein kurzer Ausflug am AG-Tag auf die Elbe ist schon eine Belohnung für die viele Arbeit, die man geleistet hat. Die Anmeldungen für die Sail in Bremerhaven, zum Hamburger Hafengeburtzstat oder für die Regatten in Glückstadt oder Flensbur werden von allen möglichst schnell abgegeben, um einen Platz sicher zu haben. Nach dem Motto: Bieten und Fordern haben diejenigen Vorrang, die sich regelmäßig an den notwendigen Arbeiten beteiligen.

Wie vertraut die Jugendlichen mit "ihrem" Schiff sind, zeigt sich an manchen Wochenenden, wenn einige von ihnen sich dort treffen ud auch auf dem Schiff im Hafen übernachten. Demnächst werden sie in der Lage sein, mit dem Schiff selbstständig auf die Elbe zu fahren. Sie bereiten sich zurzeit zusammen mit älteren Crewmitgliedern auf den Erwerb des Bootsführerscheins vor.

Die Zeit mit und auf der "Wilhelmine von Stade" hat für einige den Lebensweg geprägt. Jens - aus der Anfangszeit - ist heute als Kapitän tätig. Daneben sind ein Bootsbauer, Schiffsmechaniker, Schiffsbaukonstrukteur und eine Segelmacherin aus der Arbeit mit den Jugendlichen hervorgegangen.

Teamgeist und Kameradschaft sind Begriffe, die heute in der Berufswelt aktuell sind und schon immer neben Pflege und Instandhaltung des Schiffes, Seemannschaft, Navigation, Segeln und dem täglichen Bordbetrieb zum Ausbildungsziel der AG Wilhelmine gehört haben und weiterhin gehören.

Ulli Monsees

AG-Teetrinken